Sonntag, 11. Juli 2010

Von getriebenen Kartoffeln und futuristischen Friedhöfen

Die Aufnahmeprüfung ist nun fast eine Woche her, aber irgendwie konnte ich mich davor nicht wirklich zum Schreiben aufraffen.
Wie es gelaufen ist? Keine Ahnung, ganz schwer einzuschätzen. Während der Arbeiten hatte ich eigentlich immer ein gutes Gefühl, meine Kreativität war nicht zu bremsen und ich bin auch beinahe immer fertig geworden. Aber: bei der Abgabe war ich jedesmal aufs neue sowas von geplättet von der zeichnerischen Qualität meiner Mitprüflinge, was mich auch jetzt noch sehr verunsichert. Ich schätze mal, dass es jetzt einfach stark darauf ankommt, ob die Hochschule mehr Wert auf Ideenreichtum oder Zeichentalent legt. Fest steht, dass meine Bilder jedesmal seeeehr anders aussahen, ob mir das nun zu Gute kommt... wir werden sehen. Bescheid bekomme ich Ende dieser oder Anfang nächster Woche. Sicherheitshalber habe ich mich dieses Wochenende noch für diverse andere Studiengänge quer durch die Republik beworben, falls es nichts wird will ich nicht ohne irgendwas dastehen und ein paar meiner angedachten Alternativen fühlen sich als mögliche Ausweichoptionen gar nicht so schlecht an. Und zumindest da sollte ich überall recht gute Chancen haben, da mein Abi kein schlechtes war.

Jetzt aber zu den Prüfungsaufgaben, weil ich ein paar interessierte Fragen diesbezüglich bekommen habe:

Aufgabe 1: Die Kartoffel - Portrait einer Getriebenen
Wir bekamen jeweils eine Kartoffel die schon Triebe entwickelt hatte und sollten diese mit einem selber schon zuhause gebastelten Pappquader und einem mitgebrachten Stoffstück irgendwie in Szene setzen. Dazu war noch angegeben, dass die Kartoffel formatfüllend (A3) und ganz auf dem Bild sein sollte, während der Quader und der Stoff nicht vollständig auf dem Bild sein mussten. Zu machen mit Blei- oder Graphitstift.
Ich habe das ganze ziemlich expressiv mit dem Graphitstift gezeichnet, wobei meine Kartoffel wirklich fast das ganze Blatt ausfüllt und tatsächlich irgendwie etwas gehetztes ausstrahlt. Bei der Abgabe durfte ich dann feststellen, dass die meisten anderen super naturalistische, feine Kartöffelchen gezeichnet hatten und das einfach als gewöhnliches Stillleben arrangierten.

Aufgabe 2: Malerei mit Plastilin (ich habe den echten Titel vergessen ;))
Aus drei verschiedenen Farben Knetmasse (die wir uns davor schon besorgt hatten) sollten wir ein abstraktes, aber menschenähnliches Gebilde aus verschlungenen Formen modelieren und dieses anschließend auf einen Handspiegel setzen und ein paar Skizzen machen, um eine davon dann als A3 Malerei mit Farben unserer Wahl umsetzen. Ich habe mich für Acryl entschieden und das ganze sehr künstlerisch aufgezogen inklusive Hintergrund, dramatischem Lichtfall und eigenwilliger Komposition. Das gängig abgegebene Bild war dann allerdings einfach eine perfekte, detaillierte, blattfüllende Zeichnung, die mit Markern oder Aquarell oder Wasserfarbe irgendwie zart coloriert wurde. Hm...

Aufgabe 3: Visualisierung des "Fänger im Roggen"

Am nächsten Tag ging es dann mit den kreativeren Themen weiter: Uns wurde der Anfang vom "Fänger im Roggen" ausgeteilt und wir sollten dazu 6-8 abstrahierende (!!!) Bilder auf zwei A3 Bögen zeichnen, mit Tusche und einer Farbe unserer Wahl. Hierbei kam mir eindeutig meine Erfahrung zugute, die ich mit meinem Radiergummimädchencomic gemacht hatte. Ich habe das ganze dann auch weniger als einzelne, unzusammenhängende Illustrationen gezeichnet als als 6 bildrige Geschichte/ Comic. Mir ist ein praktisches Motiv eingefallen um die einzelnen Bilder besser zu verbinden (der Held zündet sich gleich zu Beginn eine Zigarette im Text an!) und ich habe dann auch nur dieses coloriert. Vom Stil her bin ich auch halbwegs bei dem von meinem Comic geblieben, ich habe die Charaktere etwas realistischer aber immer noch sehr schlicht gezeichnet und versucht, wieder mit dem starken schwarz-weiß Kontrast zu arbeiten (und bin leider nicht ganz fertig geworden damit, aber das ist bei dieser Aufgabe fast niemand). Bei der Abgabe durfte ich dann lauter unglaublich geil gezeichnete Illustrationen sehen bei denen ich mich wirklich gefragt habe, warum die anderen überhaupt noch studieren wollen, wo sie doch sowieso schon so gut sind?

Thema 4: Der Friedhof der Zukunft

Mein einziges wirkliches Erfolgserlebnis bei den Aufgaben. Wir sollten uns einfach nur den Friedhof der Zukunft ausdenken, in der Umsetzung und Darstellung waren wir völlig frei. Mir sind sofort Tonnen von Ideen aufgeblinkt, wobei ich dann versucht habe mehrere sinnvoll miteinander zu kombinieren. Herausgekommen ist ein sarkastischer kleiner Comic, in dem aus Nahrungs- und Raummangel die Toten in einer komplizierten Fabrikprozedur aufbereitet und als Dosennahrung wieder unter die Lebenden gebracht werden- der Friedhof ist letztendlich die "Gaststätte" die an die Fabrik angehängt ist, wo die Angehörigen dann "ihren" Toten verspeisen können. Makaber und nicht jedermanns Sache, aber das war mir dann auch schon egal. Stiltechnisch habe ich mich ebenfalls beim Radiergummi-Mädchen angelehnt, da das ja zumindest in der Mappe noch gut genug war. Und diese Abgabe war die einzige, bei der ich zufrieden feststellen durfte, dass ich zumindest eine der kreativsten Ideen hatte (worum es bei dieser Aufgabe auch ausdrücklich ging!), auch wenn die anderen mal wieder irre gut gezeichnet haben (aber hauptsächlich ziemlich einfallslos).

Die mündliche Prüfung
Ich wurde zum Glück noch am ersten Tag bei der zweiten Aufgabe rausgeholt, so dass ich mir zumindest darüber am zweiten Tag keine Sorgen mehr machen musste. Und zumindest in meinem Fall hat sich das ganze auch nicht nach Prüfung angefühlt, was wohl ein gutes Zeichen ist :).
Als erstes wurde ich gefragt, warum ich nicht Medizin studiere, danach war das Eis sowieso schon gebrochen. Auf die Fragen wie ich auf das Studium gekommen bin und was mich am meisten interessiert konnte ich denke ich sehr gut antworten und habe dabei auch mein Praktikum erwähnt, was sichtlich auf Anklang stieß. Am tollsten war, als einer der Prüfer (es waren drei) wissen wollte, wo ich mich in drei Jahren sehe und ich ihm dann geantwortet habe "Im Masterstudiengang."- damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet und sich ziemlich gefreut ^^. Ansonsten wurde nur noch in meiner Anwesenheit meine Mappe durchblättert und ein paar Interessensfragen und Fragen zur Selbsteinschätzung gestellt, vor allem zu den eingereichten Photos. Ich habe dann nur geantwortet, dass ich nichts in die Mappe legen würde, von dem ich denke, dass es Mist ist; worauf der zuständige Professor dann peinlich berührt sofort angefangen hat meine Arbeiten zu loben- ich saß im Gespräch teilweise also fast am längeren Hebel. Mir wurde keine einzige Wissensfrage oder dergleichen gestellt und ich war schon nach 10min fertig (normal sind 15min), wobei mir die Prüfer versicherten, dass sie einfach so zufrieden mit mir waren, dass das auch so genüge. Und am nächsten Tag kam dann auch der Beweis, dass ich Eindruck gemacht habe, denn die drei kannten mich mit Namen und haben mich gezielt begrüßt :).
Jetzt hoffe ich einfach, dass sie bei der Bewertung der Bilder alles schon durch einen Filter sehen, da sie ja wissen wer _ich_ bin, sich also das Gesicht hinter der Bewerbernummer gemerkt haben.

Nunja, es bleibt spannend. Aber ich war so froh, als am Dienstag um 17:OO Uhr endlich alles überstanden war.

Kommentare:

  1. ooooooooh aufregend.
    Die Aufgaben sind durch die Bank weg ja wirklich wahnsinnig spannend gewesen. Ich glaub die Knet-Geschichte die wäre was für mich gewesen.

    Weißt du, ich glaub sogar, dass du da anders als die anderen rangegangen bist ist garnicht so verkehrt. Wenn die Schule auch nur ein bischen was von Individualität hält, dann wird sie das zu schätzen wissen.

    Ich drücke trotzdem noch weiterhin ganz ganz fleißig die Däumchen!
    Das hat zu klappen! :)

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  2. Das hört sich ja alles spannend an.
    Ich hatte letzten Donnerstag auch die Aufnahmeprüfung für mein Masterstudium (Interaction Design) und bekomme wahrscheinlich auch in dieser Woche Bescheid.

    Ich drücke dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen :)

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  3. Sehr interessante Aufgaben, finde ich.
    Und schön, dass du dir selbst treu geblieben bist - hoffe auch, dass das Anklang findet. = )
    Alles Liebe!

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  4. Ich drück Dir die Daumen.... ber ich denke, dadurch, dass du dich von der Masse abgesetzt hast - und dein Interview so gut gelaufen ist - darfst du Dir ruhig Hoffnungen machen.

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